Es ist wieder so weit.
Der Herbst ist da. In Kiel merkt man das ja meistens nicht nur daran, dass die Blätter von den Bäumen fallen. Bei uns kommt natürlich noch eine ordentliche Portion Wind dazu. Man verlässt morgens halbwegs frisiert das Haus und fünf Minuten später sieht man aus, als hätte man sich mit einer Windmaschine angelegt. Gehört wohl dazu.
Und dann gibt es da noch etwas, das im Herbst plötzlich überall herumliegt: **Haare. Meine Haare.**
Auf dem Pullover, im Waschbecken, in der Bürste und natürlich auf dem Badezimmerboden. Manchmal frage ich mich wirklich, wie bei der Menge überhaupt noch welche auf meinem Kopf sein können.
Wenn man etwas älter wird, macht man sich darüber vielleicht schneller Gedanken. Früher hätte ich wahrscheinlich gedacht: Wird schon wieder. Heute schaut man zweimal hin und fragt sich: Ist das noch normal? Werden die Haare dünner? Fehlt mir irgendetwas? Oder ist es einfach der Herbst?
Wobei man mit zunehmendem Alter ja irgendwann feststellt: Die Haare sind nun wirklich nicht das einzige Problemchen, das sich ungefragt dazugesellt. Hier zwickt etwas, dort funktioniert etwas nicht mehr ganz so wie mit 25 – und morgens braucht manches einfach ein bisschen länger, bis es in Gang kommt. Mich eingeschlossen.
Trotzdem bin ich der Meinung: **Älterwerden ist kein Freifahrtschein, sich gehen zu lassen.**
Damit meine ich überhaupt nicht, dass wir mit 50, 60, 70 oder darüber aussehen müssen wie mit 30. Warum sollten wir? Aber auf sich zu achten, sich schön anzuziehen, die Haare zu pflegen und auf die eigene Körperpflege zu achten, hat für mich nichts mit dem Geburtsdatum zu tun.
Gerade beim Thema Körperpflege hört man ja immer wieder diesen wenig schmeichelhaften Mythos, ältere Menschen würden irgendwann „anders“ oder unangenehm riechen. Nun ja. Gegen vieles, was das Alter so mitbringt, können wir wenig machen. Aber duschen, Deo, frische Kleidung und ein bisschen Pflege sind zum Glück noch nicht aus der Mode gekommen. Und hoffentlich bleiben sie das auch.
## Und was ziehen wir diesen Herbst eigentlich an?
Der Herbst macht mir auch wieder Lust auf andere Kleidung. Die Sommersachen verschwinden langsam nach hinten und plötzlich gefallen einem Pullover, Jacken, Schals und kräftigere Farben wieder.
Und dann kommen natürlich die neuen Trends.
Lila- und Violetttöne sind zum Beispiel wieder ein Thema. Muss ich deshalb von Kopf bis Fuß in Lila herumlaufen? Nein. Und meine Haare werde ich mir deswegen ganz sicher nicht lila färben. Aber vielleicht darf hier und da ein bisschen Trend einziehen.
Ich finde, Mode soll Spaß machen. Und grundsätzlich hat Kleidung für mich **kein festes Alter**. Jeder soll tragen, worin er sich wohlfühlt. Ich lasse mir heute jedenfalls nicht vorschreiben, wie ich mich anzuziehen habe oder wie meine Haare aussehen sollen.
Trotzdem habe ich meine eigene Grenze: Nur weil etwas gerade modern ist, muss ich es nicht automatisch tragen. Wenn beispielsweise der ultrakurze Minirock plötzlich wieder der Herbsttrend schlechthin wäre, muss ich nicht beweisen, dass ich noch hineinpasse. Manches sieht an anderen einfach besser aus – und das darf man auch einmal zugeben.
Das hat für mich weniger mit „Darf man das in meinem Alter noch?“ zu tun als mit der Frage: **Passt es zu mir? Fühle ich mich darin wohl?**
Man kann auffallen. Man kann aus der Norm fallen. Man darf mit 60 genauso einen ungewöhnlichen Stil haben wie mit 25. Nur eines finde ich immer wichtig: **Es sollte gepflegt wirken.**
## Und plötzlich werden alle Haare dunkler
Was mir im Herbst jedes Jahr wieder auffällt: Kaum werden die Tage kürzer, werden auch die Haare dunkler.
Im Sommer Blond, Highlights und helle Strähnen – und plötzlich tauchen überall Braun, Schokolade, Kupfer, Kastanie und dunklere Blondtöne auf.
Warum eigentlich?
Vielleicht passen diese warmen Farben einfach wunderbar zum Herbst. Vielleicht wollen wir nach Sonne, Meer und ausgebleichten Spitzen wieder etwas Satteres und Wärmeres sehen. Oder wir bekommen bei den ersten drei Regentagen einfach kollektiv Lust auf Kupfer. Wer weiß.
Aber auch hier denke ich: **Muss man jeden Trend mitmachen? Nein.**
Wenn mir mein Blond gefällt, darf es auch im November blond bleiben. Wenn ich seit Jahren braune Haare liebe, brauche ich nicht plötzlich Kupfer, nur weil es gerade überall auftaucht. Und wenn ich Lust auf etwas Neues habe – warum nicht?
Genau das ist doch das Schöne an Haaren und Mode: Wir dürfen ausprobieren. Wir dürfen unsere Meinung ändern. Und wir dürfen auch sagen: Nein danke, dieser Trend findet ohne mich statt.
Also werde ich diesen Herbst weiterhin gegen den Kieler Wind kämpfen, meine Haare aus der Bürste sammeln und mich gelegentlich fragen, ob da oben eigentlich noch genug übrig ist.
Und vielleicht kaufe ich mir doch etwas Neues für den Herbst.
**Nur die lila Haare – die überlasse ich erst einmal anderen.**
Eure Petra